Mennonitische Familien Bechtel und Glück

Am 2. März 2026 las, stellvertretend für Herlinde Gebhard, Elisabeth Kludas deren Vortrag zu ihrer Suche nach ihrer mennonitischen Verwandtschaft vor. Die Familien Bechtel von Mönchzell und Glück von Ehrstädt im Kreis Sinsheim im Kraichgau sind mehrfach miteinander durch Heiraten verbunden. Die Bechtel stammen aus Schleitheim im Kanton Schaffhausen, Schweiz (dort gibt es in 2027 das 500jährige  Gedenken an die Schleitheimer Artikel). Die Glück stammen aus Bowil im Emmental, Kanton Bern, Schweiz, wie in 2021 Hartmut Glück im Zoom zur mennonitischen Familienforschung vortrug.

Herlinde Gebhards Oma Lydia Bechtel war 1892 in Neckargemünd geboren. Ihre Eltern waren Heinrich Bechtel (1860-1930) von Mönchzell und Christina Glück (1870-1931) von Ehrstädt. Beide starben in Mönchzell. Lydia heiratete 1913 Heinrich Horn von Mönchzell, der im 1. Weltkrieg fiel, und 1919 Adam Rodemich/Benz. Sie starb 1984 im benachbarten Spechbach. Zu ihrem 90. Geburtstag gratulierte ihr Theo Glück (1910-2012) vom Lamprechtshof bei Karlsruhe, der in Mennonitenkreisen u. a. bekannt ist für sein Engagement für die Wehrdienstverweigerung junger Mennoniten nach dem 2. Weltkrieg, für seine Publikationen „Gemeinden in friedenstiftender Christusnachfolge“, als Prediger, Ältester und Leiter der Gemeinde Durlach, als Beauftragter zur Vorbereitung der Mennonitischen Weltkonferenz 1957 in Karlsruhe. 

Lydias Schwester Christina Bechtel (1896-1928) heiratete 1920 Philipp Müller von Spechbach, der 1940 Martha Glück von Ehrstädt heiratete, eine Schwester von Theo Glück.

Die Eltern der beiden waren Christian Glück (1865-1939) von Ehrstädt, Ältester der Mennonitengemeinde im benachbarten Hasselbach, und Barbara Muselmann (1872-1910). Von 7 Kindern starben zwei früh, das sechste, Otto, mit 30 Jahren kurz vor seiner Heirat mit Frieda Bechtel. Einzig der älteste Sohn Christian (1867-1994) hatte Nachkommen. Er heiratete 1923 eine Katholikin und lebte als Unternehmer in Bad Honnef am Rhein in Nordrhein-Westfalen. Seine Geschwister blieben kinderlos. Das 7. Kind Anna wurde Lenchen gerufen und ist so im Mennonitischen Adressbuch von 1936 verzeichnet. Sie heiratete Emil Moser von Ehrstädt, der 1943 im Mittelmeer vor Sardinien vermisst wurde. Das siebte und jüngste Kind Theo wurde 1910 auf der Mühle in Ehrstädt geboren. Acht Monate später starb seine Mutter. Deren Schwester Katharina half dem Witwer, die Kinder aufzuziehen, zusammen mit der Großmutter Barbara Muselmann geb. Hotel. Als die Großmutter 1921 in Ehrstädt starb, kam Theo in seinem 11. Lebensjahr zur Familie des Johannes Hotel auf dem Batzenhof bei Karlsruhe. Er war Pächter und Mennonitenältester auf dem Batzenhof und ein Neffe der Großmutter. Er ermöglichte Schule und Studium für Theo.

Eine Nichte von Oma Lydia, die Lydia Müller (1921-2018) von Spechbach, wurde 1942 schwanger von ihrer großen Liebe, einem polnischen Zwangsarbeiter auf dem Hof der mennonitischen Familie Fellmann in Mönchzell. Rüdiger Fellmann hatte am 4.11.2024 an einem Erzählabend zur NS-Zeit schon von dem tüchtigen Pferdepfleger und Besitzer einer Kutsche erzählt. Sie durften nicht heiraten. Johann kam ins KZ Neuengamme, Hamburg, wo er 1943 starb. Der Lydia wurde ihr Kind weggenommen und zur Adoption gegeben, sie kam ins KZ Ravensbrück in Brandenburg. Die Hoffnung auf ihr Kind ließ sie überleben und nach Kriegsende die rund 680 km nach Spechbach zu Fuß überstehen. Sie bekam nach langem Kampf ihr Kind wieder. In die Schule wurde sie als Zeitzeugin ihrer schrecklichen Erfahrungen in der Nazi-Zeit eingeladen. Sie war gläubig und nicht verbittert vom Leben.

Nach dem Vortrag mit Fotos von Personen und Orten gab es einen nachdenklichen Austausch.

Weitere Informationen und die Aufzeichnung des Abends gibt es bei elisabeth.kludas@t-online.de

Am Ostermontag, 6. April, ist Zoom-Pause.

Am Montag, dem 04. Mai 2026, berichtet Anne Schmidt-Lange über Niclaus Hess, der 1683 auf dem Ibersheimer Hof bei Worms Anna Tschantz heiratete — Einsichten über Täufer in Schleitheim, Schaffhausen und (höchstwahrscheinlich) eine Korrektur der Stammbäume tausender von Hess-Nachkommen in den USA.

Wie immer von 19:30 – 21 Uhr, Einwahl über