Mennonitische Familienforschung per Zoom: Wienß und Friesen
Am 1. Juni 2026 berichtete Hans-Joachim Wienß aus Enkenbach über seine elterlichen Familien Wienß und Friesen aus dem Raum Danzig, die nach dem 2. Weltkrieg in Enkenbach eine neue Heimat fanden.
Der Name Wienß taucht in verschiedenen Schreibweisen bereits im 16. Jahrhundert in Köln und in den Niederlanden auf. 1568 wird ein Hermann Wynes in der Leitung der Mennonitengemeinde Danzig erwähnt, danach 1624 in Alte Babke, Danziger Gebiet, später Großes Marienburger Werder, Harem/Harm (Hermann) Wiens. Dort hatten sich viele Täufer, Flüchtlinge aus den Niederlanden niedergelassen.
Ein Peter Wienß 1781 in Zeyersvorderkampen am westlichen frischen Haff heiratete nach Schönhorst im Großen Werder. Sein Sohn Berent, *1809, zog nach Jankendorf im Großen Werder. Der ältere Bruder Peter,*1805, führte den Hof. Danach übernahm Berents Sohn Bernhard Wienß, *1837, den Hof in Schönhorst, verheiratet in zweiter Ehe mit Anna Wiebe. Er galt als ein sehr tüchtiger, vielseitiger Landwirt, hielt Trakehnerpferde. Gute Bankverbindungen ermöglichten ihm, jedem der 11 Kinder einen Hof zur Hochzeit zu kaufen.
Sein Sohn Hermann Wienß, *1878, wirtschaftete mit seiner Frau Elisabeth Reimer, *1886 Brodsack, auf ihren Hof in Irrgang, Gr. Werder, 1904 bis 1945. Ab 1914 hatte der Hof eigene Stromversorgung, nach 1920 einen Kleinbahnanschluss zusammen mit den Nachbarn Gustav Penner und Gustav van Riesen für den Zuckerrübentransport. Im 3. Reich während des Krieges waren Fremdarbeiter und auch Häftlinge vom KZ Stutthof auf dem Hof, die er gut behandelte. Weil er zum Hitlergruß den Arm nicht hob, hatte er Nachteile, erhielt so 1943/44 keine Erntehelfer. Die Familie gehörte zur Mennonitengemeinde Heubuden.
Ihr Sohn Alfred Wienß,*1906, wurde 1939 im besetzten Polen als Verwalter polnischer Güter zwangsverpflichtet. Als Kreislandwirt in Lissa im Wartheland weigerte er sich, in Posen bei einer öffentlichen Hinrichtung/Hängen von Polen anwesend zu sein. Deshalb wurde er kriegsverpflichtet und blieb 1944 in Rumänien vermisst.
Ernst G. Wienß, *1918, Alfreds Bruder, Hans-Joachims Vater, war im 2. Weltkrieg Kraftfahrer beim Luftgaukommando Wiesbaden mit mobilen Einsätzen, aber nicht an der Front. August 1945 bis 1954 war er Verwalter von Gut Saxtorf bei Riesebyin Schleswig-Holstein. Dort heiratete er Margarete Friesen, *1924 Stobbendorf. (Nach der Einwanderung zweier Brüder Friesen 1685 aus den Niederlanden hatten ihre Nachkommen den Hof in Stobbendorf, Gr. Werder bis 1945 bewirtschaftet.)
Von 1954 war Ernst Wienß 2 Jahre Hofpächter in Steinwenden in der Pfalz. Ab 1958 lebte die Familie in Enkenbach, wo Ernst Wienß im Vorstand der Mennonitengemeinde mitarbeitete, auch als Vorsitzender. 1956-1980 war er Kraftfahrer für die USAF in Ramstein und Sembach als Zivilfahrer. In dieser Zeit reifte sein Entschluss zur Kriegsdienstverweigerung, zu der sich auch sein Sohn Hans-Joachim Wienß entschloss.
Hans-Joachim berichtete über die Entscheidungswege und sich entwickelnde Haltungen in der Familie dazu, die zu ausgiebigem Austausch führten, denn die Fragen werden bei der politischen Weltlage wieder aktuell.
Am 06.07.2026 erzählt Willi Ediger die Geschichte seiner elterlichen Familien Ediger und Löwen, die im 19. Jahrhundert aus Westpreußen in die heutige Ukraine, damals Südrussland, einwanderten, von ihrer Flucht im 2. Weltkrieg und von ihrer Emigration nach Paraguay. Willi Ediger, in Paraguay geboren, teilweise in Bechterdissen, Ostwestfalen-Lippe, aufgewachsen, lebt und wirkt auf dem Kühbörncheshof bei Kaiserslautern.
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