Von Schleitheim über die Kurpfalz nach Pennsylvania

Am 4. Mai 2026 berichtete Anne Schmidt-Lange ihre Forschungsergebnisse zu der großen amerikanischen Mennoniten-Familie Hess und der Verfolgung der Schleitheimer Täufer im 17. Jahrhundert im Kanton Schaffhausen. Eine Schwierigkeit waren die Dialektformen für Schleitheim, in den Kirchenbüchern in der Schweiz und der Kurpfalz. Die Ortsbezeichnungen Schlaten, Schladen, Schlaate, Schleitten mussten identifiziert werden. Ein Vertreter von Schleitheim nahm an dem Zoom-Abend teil und berichtete über das Gedenken zu 500 Jahre Schleitheimer Artikel, das die kleine Gemeinde am 3. und 4. Juli 2027 ausrichtet. Anmeldung ist über die Webseite https://www.museum-schleitheim.ch/ erbeten. Der Mennonitische Geschichtsverein und Mennonitica, der Schweizerische Verein für Täufergeschichte, planen für den 1. und 2. Juli 2027 auf dem Bienenberg ein Kolloquium zu Auswirkungen und Gegenwartsbezug des Bekenntnisses.

1717 kam Hans Hess mit seiner Frau Magdalena in Pennsylvania an und siedelte sich mit weiteren mennonitischen Familien 1718 im heutigen Lancaster County in der Nähe von Christian Tschantz an. Es war ein Investorenprojekt einer Schweizer Gruppe um Christoph von Graffenried, in dem 50 inhaftierte Täufer, die 1710 aus dem Kanton Bern Richtung Niederlande verschifft wurden, zur Rodung des Gebiets angesiedelt werden sollten. Die Niederländer ließen die Täufer aber frei. Statt ihrer wurden nun auf Wunsch von William Penn noch im Jahr 1710 Täufer aus der Kurpfalz angeworben. Später sollten 250 Mennoniten folgen und die Infrastruktur für eine Siedlung in der Nähe einer Silbermine errichten. Hans und Magdalena Hess waren Teil dieser zweiten Einwanderergruppe.
Hans und Magdalena Hess hatte 11 Kinder. Er war Schumacher, Nagelschmied und Weinbrenner. Sein Vater war höchst wahrscheinlich der Taglöhner Nicolaus Hess, der 1683 auf dem Ibersheimerhof bei Worms Anna Tschantz heiratete. Er war reformiert, sie wohl mennonitisch, was unter Täufern häufiger vorkam, jedenfalls auch bei seinem reformierten Vater in Schleitheim, der ebenfalls Nicolaus hieß und am 8. Feburar 1644 die 16jährige Tochter einer vertriebenen Täuferfamilie Bechtold heiratete. Auf einer Liste vertriebener Täufer in Schleitheim 1621 finden sich auch Russenberger, Heusy, Meyer, Peyer, Wanner, Pletscher, Keller. 1641 gab es eine neue Welle von Verhaftungen. Sechs Täufer kamen nach Schaffhausen ins Gefängnis, konnten aber 1642 ausbrechen, darunter Christen Bechtold, der spätere Schwiegervater des älteren Nicolaus Hess. Ihr Hab und Gut wurde inventarisiert und einbehalten. Sie wurden aus Schleitheim verbannt, sofern sie sich nicht zur reformierten Kirche bekehren wollten. Nicolaus Hess und Margaretha Bechtold hatten 12 Kinder in Schleitheim bis 1672, darunter den jüngeren Nicolaus, getauft am 28. März 1662. 1680 ging die verwitwete Margaretha mit ihren beiden jüngsten Kindern in die Pfalz. Auch Sohn Nicolaus Hess muss in der Zeit in die Pfalz gezogen sein. Als Taglöhner auf dem Ibersheimerhof heiratete er am 12. Juni 1683 in Hamm Anna (T)Schantz aus Bucholterberg, Kanton Bern.
Nach dem Vortrag mit Fotos von Personen, Dokumenten und Orten gab es einen lebhaften Austausch.

Den Artikel von Anne-Schmidt-Lange dazu in der Pennsylvania Mennonite Heritage, weitere Informationen und die Aufzeichnung des Abends gibt es bei Anne Schmidt-Lange aschmidtlange@verizon.net und elisabeth.kludas@t-online.de

Am 01.06.2026 berichtet Hans Joachim Wienss von Enkenbach über seine elterlichen Familien Wienß und Friesen in Danzig und im Großen Werder, die bei Kriegsende aus Westpreußen flohen und denen mit anderen Familien in Enkenbach ein Wiederaufbau gelang dank tatkräftiger Hilfe amerikanischer Mennoniten.

Wie immer von 19:30 – 21 Uhr, Einwahl über https://www.mennonitischer-geschichtsverein.de/mennonitische-familienforschung-per-zoom/